Preispolitik der WVG

Laut einer kurz nach Weihnachten 2015 veröffentlichten Studie bezahlen zahlreiche Gaskunden in Deutschland zu viel. Die Studie war von den Grünen in Auftrag gegeben worden und bildet vor allem die Preispolitik der Großkonzerne ab. Kunden aus dem Raum Warstein richteten daraufhin kritische Anfragen an die Warsteiner Verbundgesellschaft mbH (WVG). Dies nimmt die WVG zum Anlass, auf folgende Zusammenhänge hinzuweisen:

 

Die WVG ist ein kommunales Unternehmen. Daher ist gewissermaßen automatisch eine Balance zu halten zwischen Betriebsergebnis (Profit) und Kundeninteresse (marktgerechte Preise). Die Gesellschafter der WVG, darunter die Stadt Warstein, erwarten vom dem Unternehmen eine angemessene Wirtschaftlichkeit, also ein Jahresergebnis, das entsprechend den Gesellschafteranteilen ausgekehrt und demzufolge in Teilen auch an die Stadt ausbezahlt wird. Die Kommune ihrerseits setzt das Geld für kommunale Aufgaben innerhalb der Stadt Warstein (z.B. Kindergärten, Straßen, Schulen) ein.

 

Da die WVG andererseits im Wettbewerb steht, kann sich das Unternehmen eine phantasievolle Preispolitik mit so genannten Mondpreisen nicht erlauben, sondern muss sich am Marktgeschehen orientieren. Das Marktgeschehen wird wiederum von mehreren Playern bestimmt: von Kommunalen Unternehmen wie der WVG, die sich langfristig mit Energie bevorraten, weil sie im Rahmen ihrer kommunalen Verantwortung dauerhaft eine hohe Versorgungssicherheit ihrer örtlichen privaten Endkunden bieten müssen. Deswegen kauft die WVG im Rahmen einer Langfrist-Strategie kontinuierlich Energie ein. So werden kurzfristige, manchmal tageweise Preisschwankungen vermieden, was sich in einer hohen Planbarkeit und Berechenbarkeit des Endverbraucherpreises niederschlägt. - Die WVG hat derzeit die meisten Kunden in Warstein und gilt daher auch als so genannter Grundversorger. Übrigens hat die WVG seit 2009 bereits mehrmals die Preise gesenkt und damit Einkaufsvorteile an die Kunden weiter gegeben.

 

Andererseits gibt es Unternehmen, die keineswegs kommunal aufgestellt sind, sondern nach rein kapitalistischen Prinzipien agieren: Diese Unternehmen kaufen zum Beispiel nicht wie die WVG über langlaufende Lieferverträge ein, sondern greifen spontan und kurzfristig am so genannten Spotmarkt zu, wo die Tagespreise oft niedrig sind, andererseits die zur Verfügung stehenden Mengen sehr begrenzt sind. Solche Versorger können eine bestimmte Menge Erdgas demnach zu besonders günstigen Preisen auf den Markt werfen. Ist der Vorrat aufgebraucht, bleibt für die Kunden oft nur der Wechsel zum örtlichen Grundversorger, der (s.o.) eine solche Risiko-Preispolitik aus guten Gründen nicht betreibt.

 

Die von der Grünen-Bundestagsfraktion beauftragte Studie hebt argumentativ auf  die Bezugskosten von Erdgas ab. Diese Faktoren sind aber nicht alleine preisbildend. Hinzu kommen etliche staatlich induzierte Abgaben und Steuern sowie die Netzentgelte. Das sind diejenigen Kosten, die der Netzbetreiber verlangt. Im Falle der WVG hat der  Netzbetreiber WESTNETZ seine Entgelte für 2016 erheblich erhöht. Diese Netzentgelte werden von der staatlichen  Regulierungsbehörde genehmigt. Auch dies muss in die WVG-Gesamtkalkulation mit einbezogen werden.

 

Kunden, die nun versuchen, Preistransparenz mithilfe von Vergleichsplattformen im Internet zu erlangen, müssen wissen: in der Regel verlangen die Vergleichsplattformen von den Lieferanten Provisionen für Vertragsabschlüsse, die über die Plattformen abgewickelt werden. Große Medienkonzerne wie ProsiebenSat1 haben ihrerseits Anteile an solchen Plattformen gekauft oder besitzen diese zu hundert Prozent. So kommt es mitunter zu einer erheblichen Fernsehpräsenz bestimmter Plattformen auf bestimmten Privatfernsehkanälen. Jedenfalls wollen am Ende sowohl die Medienfirma wie auch die Plattform und auch der Energielieferant ihr Geld verdienen. Das geht letztlich nur auf Kosten der Kunden. Deswegen bleiben die vermeintlich günstigen Preisangebote von kleinen oder weit entfernt beheimateten Lieferanten oft nur für kurze Zeit günstig; diese Preise werden häufig schon nach Monaten klammheimlich angehoben.

 

Der Verbraucher kann in dieser Situation wählen: entweder er schaut ca. alle 14 Tage bei Vergleichsplattformen vorbei – und zwar aus o. gen. Gründen sicherheitshalber bei mehreren Plattformen. Oder er vertraut seinem örtlichen, kommunalen Versorgungsunternehmen, weil er weiß, dass der Preis, den er hier für Strom und Gas bezahlt, im Großen und Ganzen marktgerecht ist, für mindestens 12 Monate stabil ist und letztlich seiner Heimatstadt zu Gute kommt.